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Liste 47

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Abitur Jahrgang 1947:

 

      Aschenborn, Hartmut    Kühle, HansBlum, Heinz  † (Schengchen) 

       Marholdt, Dieter      (Diddes)

      Britz, Kurt,     Mersch, Ferdinand   (Fitti)

      Busch, Werner     Oertel, Ferdinand

      Etzkorn, Hans     Pollay, Kurt †       (Coca)

      Evenschor, Ludwig    Selvers, Klaus Dieter   (Eule)

      Fellmer, Ernst (Minna)    Söll, Manfred       (Maui)

      Freitag, Kurt (Kuchen)   Tautz, Norbert

      Gierling, Hans  (Hemson)   Weeke, Wolfgang    (Jojo)

      Horn, Klaus † (Gorke)    Weingarten, Peter    (Pidder)

      Hirschberg, Hans Günter   Wieners, Gert

      Hoffman, Walter   (Hoffi)   Winkens, Hans Peter

      Kahr, Egon †     Wüterich, Manfred   (Mano)

      Hans Harro Schellenberg (15.4.1945 gefallen)

      Gästebuch

Rede des Abiturienten Ferdinand Örtel zur Überreichung der Abiturszeugnisse 1947

 

             Sehr geehrter Herr Direktor!

    Verehrtes Lehrerkollegium!

    Verehrte Vertreter der Stadt Leverkusen1

    Liebe Eltern und Mitabiturienten!

     

Der Abschluß unserer Schulzeit fällt in eine Zeit, die uns über das erreichte Ziel nicht so recht froh werden läßt. Obwohl schon bereits zwei Jahre seit Beendigung des Kriegsgeschehens vergangen sind, lasten nach wie vor dunkle Wolken des Unfriedens über unseren Tagen. Die alten Wertetafeln der Ruhe und Ordnung sind zerschlagen. Das dürre Gespenst des Hungers schreckt unter uns einher und hebt alle Schranken des Gesetzes auf. Schlimmer aber als das materielle Leid drücken die seelische Verlassenheit geistiger Qualen und innerer Öde und Leere.

 

Einsam sind wir geworden in dieser Zeit, in der sich jeder selbst der Nächste zu sein scheint. Aber vielleicht birgt dieses Verstoßen sein einen tiefen Sinn. Vielleicht bedarf der Mensch einer solchen Loslösung von allem, was ihm das Leben so einfach und angenehm macht und leicht den Blick über das Irdische hinaus verschließt. Denn bittere Not und zehrendes Elend gab es immer, nur daß wir es erst erkennen, wenn es uns selber betrifft. Wir versuchen allzu gern, uns in dem weiten Gewoge der Welt zu verlieren und zu vergessen und denken nicht daran, daß „der Mensch letztlich immer allein ist und nur seinem Gott angehört“, wie Hermann Hesse einmal sagte. Erst das Erleben einer solchen Zeit, wie die gegenwärtige, bringt uns erschreckend dieser Erkenntnis nahe. Aber dann erleben wir in dieser plötzlichen Hilflosigkeit das Wort, das über all dem schwebt, was uns so bedrängt, und das lautet: werde wesentlich! Anstelle anfänglicher Zweifel an dem Sinn dieses Lebens, das einem müden, oft sinnlos erscheinenden Dahinschleppen gleicht, tritt eine Selbstbesinnung. Um Zuversicht und Kraft für den Weg in eine verschleierte Zukunft zu finden, denken wir zurück an das, was uns bisher auf unserer Wanderung begegnet ist.

 

Manches, was uns damals ebenfalls fragwürdig und umhüllt erschien, liegt jetzt offen vor uns. Denn wer von uns will sagen, er wäre sich – als wir mit 15 Jahren von der Schule fort in den Strudel des Krieges gerissen wurden – über den Sinn des Geschehens im Klaren gewesen? Wer  an die nationalen Ideologien jener Zeit geglaubt haben mag, (wenn dies überhaupt damals möglich war) hat bald einsehen müssen, daß er einem Scheinwerk glaubte, das schließlich jäh und schmählich in sich zusammen sinken mußte. Tiefer als das äußere Geschehen prägte sich in unser junges Innere die Umwertung der ewigen Werte und göttlichen Gesetze ein, die wir um uns erlebten. Das Bild des Kindes von der Vollkommenheit des guten Menschen, das wir alle noch in uns trugen, wurde zerstört, und an seine Stelle trat die entstellte Maske der Schwachheit und Bosheit alles Menschlichen. Wir alle sahen den Menschen in seine gottähnlichen Größe klein und unwahr werden, auch, wenn wir nicht davon sprachen. Vielleicht konnten wir das nicht, oder wir vergaßen das Erlebte nur zu bald. Aber wir erfuhren um die menschliche Unzulänglichkeit und wissen darum. Als wir den vernichtenden Armen des Krieges entronnen warn, kamen wir anders zur Schule zurück als zuvor. Wir kamen sicherlich nicht mit Begeisterung und ordneten uns nicht leicht Verordnungen unter, die keinen Sonderparagraphen für Schüler kannten, die aus dem Feld und aus den Kriegswirren zurückkommen. Aber alsbald verfielen wir dennoch wieder dem alten Schultreiben, und bereiteten denen, die sich unser annahmen, Arbeit und Sorgen. Doch auch dieser Weg, den wir beschritten, war kein Umweg. Denn wir fanden – vielleicht unbewußt – etwas von dem, was uns das Weiterschreiten jetzt erleichtert und anders und richtiger voraus blicken läßt.

 

Was sich so bei einem kurzen Rückblick erschließt, zeigt, daß alles, was unsere Wege und unser Tun bestimmt, seinen Sinn darin hat, daß es uns werden und reifen ließ, ob es uns nun mit Freude erfüllte, oder unwillig machte und manchmal mit den Dingen hadern ließ. Mehr als die Ereignisse aber, die an uns herantraten, formten uns die Menschen, denen wir begegneten oder die uns begleiteten. Wenn wir sie oft nicht verstanden, so fühlen wir doch, daß wir ihnen danken wollen und müssen für das, was sie an uns taten. Wir glauben, daß wir das am besten tun, wenn wir Wege beschreiten, die sie uns erschlossen und aufgezeigt haben.

 

Wenn wir jetzt auf uns selbst gestellt eine Leben erstreben, zu dem wir uns berufen fühlen, so wissen wir alle, daß sich uns kein Paradies eröffnen wird. Heute erkennen wir deutlicher denn je, daß nicht ein Sichverlieren in der Welt unser Ziel sein kann, sondern daß wir das Licht, daß jeder von uns in sich trägt, hüten müssen vor der Welt, aber auch in ihr zum Leuchten bringen sollten. Wir stehen noch am Anfang unseres Lebens. Wir stehen mitten in den Wirren der Zeit zwischen Ende und Anfang. Wir hören das Wort des Dichters, der nach einem „jungen Geschlecht“ ruft, „das wieder Mensch und Ding mit rechten Maßen mißt“ uns wollen -  wie er fordert - , daß werde „Großes wieder groß, Herr wieder Herr und Licht wieder Licht.

 

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